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RASSENKUNDE BEI HUNDEN
Bei Haushunden gilt eine Rasse als solche, wenn sie als Rasse definiert wurde. In der Regel geschieht das durch einen Zuchtverband, kann aber ebenso durch einen Züchter oder von Einzelpersonen vorgenommen werden. Die Definition des Begriffes Rasse erfolgt dabei selten anhand biologischer Merkmale, die meisten bekannten Hunderassen werden durch Verbände und Vereine beschrieben.
Es gibt dabei keine Normen bzw. einheitliche wissenschaftliche Grundlagen für die Benennung. So meint auch W. Herre, dass eine Rasse „nichts Einheitliches [sei], sondern [sie] umfasst eine Gruppe verschiedener, artgleicher Individuen, die nur einiges gemeinsam haben, was ausschließlich mit statistischen Methoden umschrieben werden kann.“ Er definiert eine Rasse folgendermaßen:
„Rassen sind vom Menschen in sexueller Isolation gehaltene, verbreitete Untereinheiten eine Art, welche sich in mehreren Merkmalen und Erbeinheiten voneinander unterscheiden. Es sind Kollektiveinheiten, deren Besonderheiten nur durch statistische Methoden wiedergegeben werden können. Dem subjektiven Ermessen bei der Umgrenzung und Merkmalsauswahl ist ein weites Feld gelassen.“ W. Herre: in: Räber, Hans: Vom Wolf zum Rassehund, S. 108
Schätzungen gehen von über 800 Rassen aus, die weltweit existieren. Der Genetiker W. Schleger vertritt jedoch die Meinung, dass man beim Haushund lediglich von höchstens 100 Rassen sprechen kann - den Rest hält er für Varietäten. Die Individuenzahl je Rasse variiert von einigen wenigen bis zu tausenden. Die Rassenbeschreibungen werden durch unterschiedliche Verbände und Vereine gepflegt, die untereinander noch keine Einigkeit in allen Punkten erzielt haben. Der größte dieser Verbände ist die Fédération Cynologique Internationale (FCI), ein weltweit agierender Dachverband, dem Vereine aus über 80 Ländern angeschlossen sind.
Wer die FCI-Rassen eingehender betrachtet, merkt bald, dass es kaum feste Regeln gibt: Einige Rassen unterscheiden sich zum Beispiel durch die Farben der Fleckung (einige französische Laufhunde), andere durch die Größe (wie zum Beispiel die Pinscher). Bei den Spitzen oder Pudeln ist es egal, wie groß sie sind und welche Farben sie haben, es gibt nur eine Rasse Spitz und eine Rasse Pudel. Der Belgische Schäferhund wird als eine Rasse in unterschiedlichen Schlägen gezüchtet, die unterschiedliche Namen haben, sein Bruder, der Hollandse Herdershond ebenso, nur haben diese Schläge keine besonderen Namen. Rassen, die von anderen Züchterverbänden, als den der FCI angehörenden, gezüchtet werden, können sich von jenen der FCI unterscheiden, jedoch den gleichen Namen führen.
Bei Nachkommen aus Kreuzungen verschiedener Rassen und Hunden ohne Ahnentafel spricht man von einem Mischlingshund, Bastard oder einer Promenadenmischung. Werden zwei Rassen gezielt gekreuzt, spricht man seit einiger Zeit auch von Designer- oder Hybridhunden. Nachkommen aus Kreuzungen mit anderen Arten aus der Familie der Hunde (Canidae) sind keine Haushunde (Canis lupus familiaris), abgesehen von Wolfseinkreuzungen wie Tschechoslowakischer Wolfhund, Saarloos-Wolfhund und Lupo Italiano. Direkte Kreuzungen, also die F1-Generation, unterscheiden sich insbesondere in ihrem Verhalten erheblich von Haushunden, was durch zahlreiche Studien (zum Beispiel von Erik Zimen) belegt wurde. Unsachgemäße Haltung solcher Tiere stellt eine erhebliche Gefahr dar.
Historische Entwicklung der Hunderassen Während der Hallstattzeit wurde die Hundepopulation uneinheitlich, es gab Unterschiede in der Größe und in der Unterkieferbreite. Außerdem traten nun erste Zahnanomalien auf.[3] Im Mittelalter gab es vermutlich in Europa nur zwölf Hunderassen.[4] Im fünften bis neunten Jahrhundert wurden in germanischen Rechtssammlungen Rassen aufgezählt, welche nach ihrer Verwendung eingeteilt sind: bis zu sieben Jagdhundrassen Leithunt, Triphunt (Treibhund), Spurihunt (Spürhund), Windhunt und Hapuhunt (Habichtshund) und zu den Jagdhunden der Schäferhund und der Hovawart (Hofhund).
Ab dem 13. Jahrhundert wurde eine gelenkte Jagdhundezucht betrieben, damit sich die „reinrassigen“ Hunde nicht mit den Bauernhunden vermischten. Hierbei war das Aussehen der Hunde zweitrangig; „reinrassig“ waren jene, die gut jagen konnten. Vermutlich wurde bereits vielfach Inzucht betrieben, da gute Hunde vermehrt zur Zucht eingesetzt wurden. Im 19. Jahrhundert wurden viele neue Rassen gezüchtet und Rassestandards aufgestellt[7], um eine geschaffene Rasse erhalten zu können. Oftmals begann die Zucht einer neuen Rasse mit wenigen Hunden, beispielsweise wurde die Zucht des Appenzeller Sennenhundes mit elf Tieren begonnen, jene des English Setters sogar nur mit zwei Tieren.
Durch die industrielle Revolution wurde der Hund als Arbeitskraft überflüssig, wodurch Wettkämpfe entstanden, welche vor allem auf das verschiedene Aussehen der Hunde abzielten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als es bereits perfekt organisierte Hundeausstellungen gab, wurden zahlreiche Rassehunde gezüchtet. Durch das Wachstum der Städte kam es auch zu einer Zunahme der Schoß- und Haushunde.[4] Die Hundezucht im heutigen Sinne (mit Zuchtbüchern und so weiter) nahm ihren Ursprung in Großbritannien, weil dort aufgrund der großen Beliebtheit an Hundekämpfen die erste kommerzielle Zucht von sogenannten „Bullenbeißern“ geschaffen wurde. Später entstanden viele Zuchtverbände, welche zuerst auf Gebrauchshunde beschränkt waren, später jedoch auch lokale Sonderformen wie Hütehunde, Windhunde oder „Toydogs“ einschlossen.[9] Die meisten Hunderassen (204 Rassen) stammen aus England, danach folgen mittel- und nordeuropäische Länder (insgesamt 65 %). 11 % (37 Rassen) der heutigen Rassen kommen aus südeuropäischen Ländern, 8 % (25 Rassen) stammen aus Osteuropa und Russland.
Systematik der Hunderassen Buffon stellte 1755 eine Unterteilung nach der Form und Haltung der Hundeohren auf. Jean Pierre Mégnin stützte sich dagegen auf die Schädelform und unterschied vier Gruppen. Die erste Gruppe waren die Bracchoidae, deren Merkmale ein prismenförmiger Kopf, Hängeohren, ein deutlicher Stirnabsatz, eine an der Spitze und an der Basis gleich breite Schnauze und lange, herabhängende Lefzen waren (beispielsweise Bracken, Retriever, Spaniels). Die zweite Gruppe (Lupoidae) zeichnete sich durch einen horizontal pyramidenförmigen Kopf, aufrecht stehende oder hängende Ohren, eine lange, schmale Schnauze und schmale Lefzen aus (beispielsweise Terrier, Pinscher, Spitze, Schäferhunde). Die dritte Gruppe (Graioidae) hatte einen langen, kegelförmigen Kopf, einen schwachen Stirnabsatz, rückwärts gerichtete oder aufrecht stehende Ohren, schmale Lefzen und einen schlanken Körper (beispielsweise Windhunde). Die letzte Gruppe (Molossoidae) hat einen runden oder eckigen Kopf, einen deutlichen Stirnabsatz, eine kurze Schnauze, kleine Ohren, lange Lefzen und einen massigen Körper (beispielsweise Doggen).
Moderne Systematik nach FCI-System Eine kynologische Systematik der Hunderassen wird unter anderem von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) gepflegt, die derzeit über 340 Rassen anerkennt, einschließlich sogenannter vorläufig angenommener Rassen:
Die FCI-Systematik teilt die Hunderassen in zehn Gruppen ein, die wiederum in Sektionen aufgeteilt sind:
Gruppeneinteilung der Hunderassen nach FCI: * 1: Hütehunde und Treibhunde (ohne Schweizer Sennenhunde)
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Hunderassen von A bis Z

